2040 Beton für das Jahr 2040 - Norbert W. Hinterberger

Beton für das Jahr 2040

Norbert W. Hinterberger

2040

Bücher fanden seit der Erfindung des Buchdrucks eine rasante Verbreitung und ermöglichten, dass Poesie und Wissen zum Allgemeingut werden konnten.

So gab es vor etwa hundert Jahren auch in Zella-Mehlis eine »Gilde freiheitlicher Bücherfreunde « mit der Zielsetzung, der arbeitenden Bevölkerung kostengünstig freiheitliche Literatur zur Verfügung zu stellen und das Interesse für Kunst und Literatur zu fördern.

Als Pokal soll deshalb symbolisch ein Buch stehen – schwergewichtig als Betonblock gegossen. Inhaltsschwer sind auch die Schriften von Karl Marx, die weltweit zu den meistgelesenen Büchern zählen, mit weitreichendem Einfluss auf globale Gesellschaften, aber vor allem in der DDR.

Die »Thesen über Feuerbach« und »Die Deutsche Ideologie« von Karl Marx (1845) habe ich vor 50 Jahren das erste Mal gelesen und für fundamental gehalten, im Februar 2021 die Thesen handschriftlich abgeschrieben, durchgekaut und dem Beton zugefügt.

Ob sich über den Speichel meine DNA in 100 Jahren noch entziffern ließe, ist nicht gesichert, stellt aber in jedem Falle eine Verbindung von der Gegenwart in 2021 ins zukünftige Jahr 2121 dar.

Dem Buch wird ja seit einiger Zeit das nahende Ende vorausgesagt, mittlerweile auch der Handschrift. Beidem möchte ich entgegenwirken.

Als Pokalempfänger soll ein Tagebuchschreiber erkoren werden: jemand, der seine Erfahrungen interessant reflektiert und formal attraktiv umsetzt. Sollte sich wider Erwarten kein Tagebuchschreiber finden, so kann die »Pokalwürdigkeit« mit einer opulenten und interessanten Leseliste honoriert werden.

(Die männliche Schreibweise ist hier einem flüssigen Lesen geschuldet, meint aber auch das weibliche und transsexuelle Geschlecht sowie in den nächsten 100 Jahren möglicherweise auftauchende Versionen, die mitgemeint werden wollen.)

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