2049 Der Frequenzpokal OnlyDust »Die blaue Ananas« - Christoph Blankenburg

Der Frequenzpokal OnlyDust »Die blaue Ananas«

Christoph Blankenburg

2049

Im Juli 2020 veranstalteten wir eine interne Konferenz des Instituts für regionale Realitätsexperimente im Garten des alten Hedwig-Pfeiffer-Hauses in Weimar. Diskussionsbasis war die Institutsformung unter dem Titel „Von der Ästhetik zum Happening in die Zukunft“, mit dem Ziel, eine künstlerische Strategie für das kommende Institutsprojekt zu entwickeln.

Rückblickend betrachtet entwickelte sich das Institutsprojekt von einer vagen Vorstellung, die Zukunft betreffend, zu jener Konferenzthematik. Im Herbst trafen wir uns dann in einer kleinen Gruppe (Alexia Fenchel, Laura Wiemers und Ich) zu einer neuromantischen Wanderung über die Hölle zum Schneekopf. Wir diskutierten über kunstfernes Publikum, Sauerstoff oder Wertschätzungsketten. Unsere beiden Institutskollegen und Freunde Ewald Janz und Stefan Sünder kamen einem Umstand geschuldet statt am Gehlberger am Zella-Mehliser Bahnhof zu unserem Treffen an. Sie wanderten uns, bis ans Ende unseres Meetings aus südwestlicher Richtung zum Schneekopf, entgegen. Am Gipfel eingetroffen, das Wetter leicht bewölkt bis zugig kalt, kamen wir nun zu fünft und prostend zu folgendem Vorschlag: Ein Jahrhundertprojekt. »Die 100 Pokale von Zella-Mehlis«.

Einmal jährlich wird eine künstlerische Auszeichnung nach bestimmten selbstgewählten Kriterien durch ein Komitee an die Bürger*innen der Gemeinde vergeben. Die 100 Urheber*innen der Pokale sollten zur Hälfte vom »neueren Bauhaus« aus Weimar kommen und jeweils eine Person aus Ihrem künstlerischen Netzwerk dazu einladen, an dem Projekt mitzuwirken. Die Idee schien recht simpel und komplex zugleich. Nach einem kurzen Abstieg vom Berg, auf dem Rückweg zum 258 Meter tiefer liegenden Bahnhof, aßen wir Waldbeeren vom Wegesrand. Der Duft von Fichtenharz lag in der Luft. Die Windgeschwindigkeit betrug 29,1 km pro Stunde. In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2020 wählten wir dann die 100 Jahreszahlen zur vorläufigen Selektion der Teilnehmenden in einem kleinen Zimmer in Leipzig-Plagwitz. Anwesend waren bei diesem savantartigen Abend Ewald Janz, Laura Wiemers, Daniel Hohmann und darüber hinaus, uns auf einer »Hammond«-Orgel begleitend, Stefan Sünder. In der Projekteinladung wählten wir 50 potenzielle Kandidat*innen zur Pokalfertigung als Basis.

Zuvor visualisierte ich in der Projekteinladung für das Institut ein Beispiellos in Zertifikatsform zu der fiktiven Jahreszahl 2049 mit dem Beispieltitel »Die blaue Ananas«. Bei der Wahl meiner Jahreszahl stellte sich heraus, dass ich, wie jener Max Mustermann, per Zufall die 2049 zugewiesen bekommen sollte. Der passend wirkende Gedanke einer Logik transformierte sich in ein greifbares Gefüge. Die Manifestierung beeinflusste mich in meiner Wahl zum Frequenzpokal. Eine Auszeichnung für visionäre Aktivitäten in der Gemeinde um Zella-Mehlis.

Das Vergabekomitee sollte sich aus einer kunstverständigen Person, einem Gemeindevorsitz und einer Person aus dem Bereich der Wissenschaften zusammensetzen. Die Auszeichnung richtet sich an die Gattung Mensch und versteht sich als synergetische Struktur. Das Prozedere der Verleihung des Pokals im Jahr 2050 sollte auf eine zeitgenössische Art gelöst werden.

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