2110 Mundgold - Christoph Schuhmann & Julia Heinemann

Mundgold

Christoph Schuhmann & Julia Heinemann

2110

Goldener (Messing) Pokal mit Hohlraum und Verschlusspfropfen (Messing, Holz)

Zum Befüllen mit Goldzähnen.

Dialog ist Silber. Dialekt ist Gold.

Der Mundgold-Pokal ist nicht nur eine Trophäe, sondern auch eine Schatztruhe mit Goldreserven. Um die regionale Mundart vor dem Aussterben bzw. dem Mundtot zu bewahren und so in die Zukunft zu retten, soll dem Sprechen des hiesigen Dialekts (1) im Jahr 2110 ein Anreiz geboten werden.

Zu überreichen an die Person, die in einem »Dialektsprechstreit« ähnlich einem Poetry-Slam (oder dem Sängerwettstreit auf der Wartburg) das Publikum überzeugt. Von überall auf der Welt reisen Menschen an, die den einzigartigen Dialekt dieser Region sprechen (2).

Der Pokal ist so beschaffen und gestaltet, dass in ihm 89 Goldzähne (3) in die Zukunft überführt werden können. Der voraussichtliche Wert des Pokals im Jahr 2110 ergibt sich aus folgender Rechnung:

Zahngewicht:

großer Zahn = 2,6 g, kleiner Zahn = 1,2 g Mittelwert = 2 g

Aktueller Goldwert im Jahr 2021 (23. 3.):

1 g = 46 €; entspricht bei einem Goldzahn von 2 g 92 €

Bis zum Jahr 2110 (in dem der Pokal vergeben wird) sind es 89 Jahre. Dementsprechend viele Goldzähne sollen über die Jahre im Inneren des Pokals gesammelt und aufbewahrt werden. Daraus ergibt sich: 89 Goldzähne x 92 € = 8188 € als Geldwert bei Goldpreis vom 23. 3. 2021.

In den letzten 20 Jahren ist der Goldpreis um knapp 500 Prozent gestiegen. Unter der Annahme, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, ist mit einem Goldpreisanstieg in 89 Jahren (2110) von über 2.000 Prozent zu rechnen.

Das hieße, dass der Pokal im Jahr 2110 um die 180.000 Euro wert wäre. Vom enormen Wert des künstlerischen Artefakts an sich ganz zu schweigen.

 

(1) generelle Ausübung der Tradition auch durch Tanz, Folklore …

(2) In den Jahren der Corona-Pandemie hat sich die Region Zella-Mehlis (unterstützt durch die Landesregierung Thüringen barmherzig und solidarisch mit den Notleidenden des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos gezeigt und Menschen aus dem gesamten Lager eine (vorübergehende) Heimat geboten. Diesen Menschen wurde damals (2021) eine Perspektive gegeben, ihr Leben zu gestalten. Sie wurden herzlich in einem intakten sozialen Gefüge aufgenommen, um sich ein Leben aufzubauen. Viele der Menschen sind Jahre später wieder zurück in ihre Heimat und haben dort mit dem Wissen aus ihrer »Zella-Mehliser-Zeit« – in einer Region im Thüringer Wald, die wirtschaftlich sehr geschwächt und von Wegzug geprägt war – eine eigene Existenz aufgebaut. So erfuhr auch Zella-Mehlis durch die Aufnahme der damals Heimatlosen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die alteingesessenen Zella-Mehliser konnten ihr Wissen, ihre Kultur und Tradition an die „Fremden“ weitergeben, und so kam es, dass die vom Aussterben bedrohte Region in kultureller Vielfalt und in Verbindung von Tradition, Innovation und Nächstenliebe zum wirtschaftlichen Meltingpot mit Strahlkraft in die gesamte Region wurde.

(3) Alles Gold stammt aus Mündern von Dialekt sprechenden Menschen der Region – die durch die Spende ihres Mundgoldes für den Pokal die Nachwelt motivieren, das kulturelle Erbe zu bewahren

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