2025 Schneeball zwischen Thüringer Hauptgranit und Fichte - Felix Lindner

Schneeball zwischen Thüringer Hauptgranit und Fichte

Felix Lindner

2025

Ich wurde in Erfurt geboren, bin da aufgewachsen und lebe seit 18 Jahren wieder dort. Außerhalb Deutschlands kennen wenige Menschen Erfurt, Thüringen oder gar Zella-Mehlis. In Gesprächen nennt man dann wichtige historische Marker, die mit der Region verbunden sind, um zu vermitteln, woher man kommt.

Ich habe damit Erfahrungen gemacht, zum Beispiel: »Bauhaus?« – geht, »Goethe?« – geht manchmal, »Buchenwald?« – ist den meisten bekannt.
Leider musste das Bauhaus Thüringen bald nach seiner Gründung wieder verlassen, der Name Buchenwald erfüllt mich mit Abscheu und Scham. Ich ho e, dass zukünftige Generationen ebenso emp nden. Bleibt Goethe, der Klassiker, als positiv konnotierte Referenz.

Mögen sich zukünftige Generationen mit positiven Ereignissen identi zieren können, dazu gehört politisches sowie gesellschaftliches Engagement, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

Ein befreundeter Künstler erzählte mir im letzten Jahr, er hätte gelesen, dass der Thüringer Wald wahrscheinlich zu den Regionen in Europa gehört, die dem Klimawandel am längsten trotzen können. Ich ho e, er hat richtig gelesen und behält recht.
Leider fragt sich ein großer Teil unserer Gesellschaft nicht mehr, wie sich der Klimawandel verhindern lässt, selbst die Forschung hat dieses Ziel etwas aus den Augen verloren. Die Geschichte von Zella-Mehlis zeigt, wie Menschen ihre Umwelt bereits vor Jahrhunderten ausbeuteten – Bergbau und Abholzung der Wälder zur Holzkohlegewinnung.

Mögen sich die Bewohner*innen Thüringens um ihre Zukunft kümmern und die gegenwärtige Art zu wirtschaften zugunsten der kommenden Generationen in Frage stellen.

Orte werden durch ihre geographische Lage und ihre Bewohner geprägt. Dem Reisenden erschließen sich Städte zuerst durch Gebäude. In den letzten Jahrzehnten wurde viel gebaut: ordentlich, sauber und neu. Den emp ndsamen Zeitgenossen schmerzen die Augen, wenn er sich umsieht. Kritikloser Umgang mit künstlichen Materialien und leblosen Ober ächen. Bausto e können nicht mehr altern und nach Patina sucht man vergeblich.

Mögen alte Häuser maßvoll repariert und nicht ihrer Geschichte beraubt werden. Neubauten sollen so gebaut sein, dass sie folgenden Generationen nicht im Weg stehen.

Der Pokal wird an Bürger*innen verliehen, die sich für Offenheit und Toleranz engagieren und sich klar gegen Gewalt, rassistische und neofaschistische Politik stellen. Der Pokal wird an Bürger*innen verliehen, die Wege suchen, um langfristig im Einklang mit der Umwelt zu wirtschaften. Der Pokal wird an Bürger*innen verliehen, die Bauprojekte innovativ, behutsam und mit Weitblick realisieren.

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