2114 To justify my love - Daniel Guischard

To justify my love

Daniel Guischard

2114

In den Häusern, in den Kisten, in den Körben und Containern, in Regalen und auf Speichern, in Kellern, in Schränken, Säcken, Schuppen, Lagern, Deponien, Löschen in der Landschaft, gehegt, gepflegt, drapiert und abgestaubt, gefunden, geliebt, vergessen, zertreten oder aussortiert, sind Fluten, Wallungen, Tsunamis von Dingen um die Menschen. Selbst als die Dinge erst nur Visionen und Ideen von Wert, von Form, von Spiel, von Nutzen und Funktionen waren, hat man bereits Techniken entwickelt, Hallen gebaut, Materialien umgeformt, Schrauben geschraubt, Werkzeuge erdacht, um genau diese Dinge in die Welt zu holen. Dann sind die da, irgendwann müssen sie wieder verschwinden. Manchmal tauchen sie wieder auf in den »Zu-verschenken-Boxen«, in den Regalen von Trödel – und Umsonstläden, Tafeln und Heilsarmee, Tauschecken, auf Decken von Flohmärkten, auf den Schreibtischen und Sideboards der Angerührten, Regalen und Fahrzeugfonds der Müllwerker*innen. Dann bekommen die Dinge Respekt für die Reise, die sie gemacht haben, baden in ihrer antiauratischen Aura im Hort der Erinnerungen und Projektionen, Versprechen der Teilhabe auch ohne Geld oder Versprechen der Geschichte(n), die ich mir aneigne (manchmal mit viel Geld) – kleine Witze mit weniger Lachen, als vielmehr Rührung über die in mir und anderen geweckten Sehnsüchte.

To justify my love gehört diesem / einem Menschen, der sich die Zeit genommen hat, dieser Sehnsucht Raum zu geben in der vierten Reihe der Warenwelt – wer immer das auch sein mag.

Zu den Pokalen